Gemeinsam Schönes entdecken, lesen, schreiben, ohne Häme, ohne Kritik, das ist unser Anliegen. Ich werde in Euren Beitragen nichts ändern oder korrigieren, denn keiner soll sich kontrolliert fühlen. Viel Freude am Schreiben und Lesen FvB

Wenn es Winter wird - Christian Morgenstern (1871-1914)

Wenn es Winter wird

Der See hat eine Haut bekommen,
so daß man fast drauf gehen kann,
und kommt ein großer Fisch geschwommen,
so stößt er mit der Nase an.
Und nimmst du einen Kieselstein
und wirfst ihn drauf, so macht es klirr
und titscher - titscher - titscher - dirr . . .
Heißa, du lustiger Kieselstein!
Er zwitschert wie ein Vögelein
und tut als wie ein Schwälblein fliegen -
doch endlich bleibt mein Kieselstein
ganz weit, ganz weit auf dem See draußen liegen.
Da kommen die Fische haufenweis
und schaun durch das klare Fenster von Eis
und denken, der Stein wär etwas zum Essen;
doch sosehr sie die Nase ans Eis auch pressen,
das Eis ist zu dick, das Eis ist zu alt,
sie machen sich nur die Nasen kalt.
Aber bald, aber bald
werden wir selbst auf eignen Sohlen
hinausgehn können und den Stein wiederholen
.

Christian Morgenstern (1871-1914)

 

Blinde Liebe, Eifersucht und deren Folgen!

Schon sehr lange, wollte ich diese wahre Geschichte schreiben. Es ist nicht einfach Worte zu finden, die es begreiflich machen könnten.
Sie wurde mir von einer tapferen Frau erzählt, die viel erlebt hat. Trotzdem, konnte sie mit viel Lebenskraft und Mut alles verzeihen was ihr widerfahren ist.
Heute ist sie in der Mitte ihres Lebens. Ihre 6 Enkelkinder, welche sie sehr liebt, gaben ihr die Gewissheit, dass es richtig war zu verzeihen.

Die Geschichte hat ihren Anfang in den Zeiten, als es noch die UDSSR gab.

Die deutschen Familien, die in den Jahren der russischen Monarchie
aus Hessen nach Russland ausgewandert sind, wurden in den Zeiten von Lenin und Stalin zwangsmäßig übersiedelt nach Sibirien oder Kasachstan.

Es ist ein kleines Dorf an der heutigen Grenze zwischen Kasachstan und Usbekistan. Die Menschen in der Mehrheit Moslems, akzeptierten die deutschstämmigen Familien. Sie bewunderten die Arbeitsamkeit, die Sauberkeit, dieser Germanen, wie sie dort genannt wurden.

Das Leben im diesen Dorf war eintönig. Die Jugend arbeitet in Kolchosen
hatte keine bessere Perspektive andere Arbeit zu bekommen. Die Stadt war weit, so konnten bloß wenige ein Gymnasium besuchen oder eine bessere Ausbildung erwerben.
Olga die im diesen Dorf geboren war, war eine der besten Schülerin. Sie wollte so gerne in die Stadt um weiter zu lernen. Ihre drei Brüder konnten gute Berufe erwerben. Die ältere Schwester war schon verheiratet. Die jüngste Schwester, war noch ein Kind mit 8 Jahren. Sie lernte im Dorf bei einer Schneiderin die Kunst des Nähens. So verlief ihre Kindheit und Jugend.
Die Träume ein anders Leben zu führen, hat sie vergessen, als sie auf dem Dorffest den attraktiven Aloscha kennen gelernt hatte. Sie war eine der schönsten Mädchen im ihren Dorf. Viele der jungen Männer wollten sie an ihrer Seite haben. Sie sah bloß den smarten Draufgänger /so wurde er in der ganzen Umgebung genannt/. Er war groß gewachsen und seine starke Ausstrahlung mit den Augen eines Adlers, gab das gewisse Etwas, was Frauen so gerne im Manne sehen wollten.
Sie war 19 er 20 als sie geheiratet hatten .Damals kannte man noch nicht das Wort Beziehung. Man hat sehr schnell den Bund der Ehe geschlossen.
Die Eltern haben Olga vor diesem Manne gewarnt. Er trinkt zuviel, sitzt in der Wirtschaft und ist dem Alkohol verfallen. Aufbrausend ist er sagte die Mutter. Olga wollte auf niemanden hören. Sie sagte immer wieder ich liebe ihn so sehr. Ich will nicht ohne ihn leben.
Als sie einen Sohn zur Welt gebracht hatte, war sie sehr glücklich,
Wenn Aloscha zuviel getrunken hat, machte sie ihm keine Vorwürfe, sie wurde
sehr traurig. Das Leben wurde von Tag zu Tag schwieriger. Zum Tanzen durfte sie nicht mehr, er war so eifersüchtig, das sie jede Auseinandersetzung vermeiden wollte. Dann kam der Tag, den sie niemals vergessen wird erzählt sie. Es war ein schöner Sommertag. Ihr Cousin und sein Freund kamen zur Besuch. Sie hatten das so populär gewordene kleine tragbare Radio bei sich. Sie war so glücklich die schöne Musik zu hören. Der Freund der ihr eine Freude bereiten wollte, sagte“ ich leihe dir das Radio für paar Tage.
Nächste Woche hole ich es ab.“ Als Aloscha aus der Arbeit kam, fragte er von wem ist den das Radio. Sie erzählte von dem Besuch, das Radio kann sie paar Tage behalten. Was kam, hatte sie nicht erwartet, er schlug sie mit seiner Faust ins Gesicht mit einer Kraft, das sie umfiel. Dann sagte er, du bist meine Frau ich dulde es nicht, das du von einen Fremden was geliehen bekommst“ und ging aus dem Hause. Im diesen Moment, wurde Olga bewusst, wie recht ihre Eltern hatten. Sie war so blind vor Liebe zu diesem Mann, der ohne Skrupel sie so behandelt hat. Als der Abend kam und Aloscha nicht nach Hause kam, nahm sie ihr Kind und brachte es zu ihren Eltern. Danach ging sie in die Wirtschaft um Aloscha von Trinken abzuhalten.
In der Wirtschaft waren noch der Cousin und sein Freund. Aloscha war betrunken .Als er Olga sah fing es an sie zu beschimpfen, mit Worten die man nicht wiederholen kann. Der Freund ging auf ihn zu und sagte „Aloscha wie kannst du deine schöne Frau so behandeln.“ Olga wurde sehr blass und ging aus der Wirtschaft zu ihren Eltern.
Das was später passierte hat sie am nächsten Tag erfahren. Aloscha lief aus der Wirtschaft. nahm die Dienstpistole seiner Vaters, /der als Wächter der Weingebiete gearbeitet hat/ zurück in die Wirtschaft und ohne ein Wort schoss er auf den 22 jährigen Freund .Der starb noch in der Wirtschaft.

Alkohol, Eifersucht Jähzorn, zerstörten ein junges Leben.

Aloscha als im bewusst wurde was er getan hat, stellte er sich der Miliz.

Olga war am Ende ihrer Kraft. Sie blieb bei ihren Eltern, die immer wieder betonten“ gut das du nicht mehr in der Wirtschaft warst, er hätte dich auch erschossen „
Ein kleines Radio, ein Wort zuviel und ein großes Leid für viele Menschen.
Er wurde zur 10 Jahre Haft verurteilt. Das Urteil Totschlag aus Eifersucht in Trunkenheit wurde milder, weil er sich selbst angezeigt hat.

Olga war noch so jung, ihre Seele hat sich verschlossen. Sie arbeitet sehr schwer in einer Baufirma. Ihre Eltern kümmerten sich rührend um ihr Kind,
Das Schicksal schlug noch einmal brutal zu, ihr Kind bekam Schwierigkeiten bei Atmen. Das Krankenhaus war weit in der Stadt. Als sie dort ankam, konnte sie nicht ahnen, dass eine Injektion in den Hals des Kindes nicht helfen konnte.
Olga lebte, aber in ihren Inneren war eine tiefe Leere.

Es vergangen viele Monate als sie seine Briefe zu lesen anfing, die ihr Aloscha aus dem Gefängnis schrieb. Als sie las, wie schwer er leidet, und sie um Verzeihung bittet. Er hat verstanden, und bittet sie doch ihn zu besuchen. Er hält die schrecklichen Zustände im Gefängnis nicht aus. Wenn sie nicht kommt, will er schon nicht mehr leben. Sie wurde weich und reiste 3-mal im Jahr in die Stadt die 200 km von ihren Dorf entfernt war. Nach 6 Jahren Haft, wurde er für 4 Jahren auf Bewährung gesetzt, die er aber in dieser Stadt unter Kontrolle der Miliz verbringen musste.
Olga zog zu ihm in die Stadt. Fand Arbeit, mietet eine kleine Wohnung, verzeiht Aloscha und lebt diese 4 Jahre in der Hoffnung, das ihr Leben besser wird. Sie gebar in dieser Stadt zwei Mädchen.
Dann zogen sie in ihr Dorf zurück. Olga war schon nicht mehr das verliebte junge Mädchen. Arbeitet hart, kümmert sich rührend um ihre kleine Mädchen,
die ihr die Kraft zum Leben wieder schenkten. Aloscha hat zwar sein Benehmen verbessert, aber dem Alkohol war er weiter treu.

Als die Wende in der Politik kam, sind die deutschen Familien in die BRD
übersiedelt. So zog auch Olga mit ihrer ganzen Familie in die BRD.
Ihre Mädchen wurden erwachsen, passten sich sehr schnell in ihr Neues Leben an. Nach ihrer Ausbildung heiraten beide. Das Leben ihrer Kinder ist gut erzählt sie. Das macht sie glücklich. Alles andere ihre persönlichen Gefühle, die hat sie schon am diesen einen Tag verloren.
Aloscha mit dem sie jetzt alleine lebt, bezieht eine kleine Rente. Sie arbeitet weiter als Raumpflegerin in einer Klinik.
Ihre Enkelkinder, sie geben ihr die Kraft und Freude zum Leben und ihre erloschene Augen bekommen einen Glanz als sie von Ihnen spricht.


Ich habe schon viele Geschichten erzählt. Aber das Leben dieser Frau, ihre
Bescheidenheit als sie mir erlaubte ihre Erlebnisse zu schreiben, hat mich sehr beeindruckt. Sie sagte den Satz der jede Frau eine Lehre sein sollte;
Liebe ist was wunderbares, sie zu erleben ist für jeden Menschen das wichtigste und schönste Geschenk des Lebens, aber ein altes Sprichwort sagt die Worte „Prüfet Euch. bevor ihr Euch für ewig bindet.“

Ottilie K.

Du bist wertvoll

Liebe Freunde.
Vielleicht kennt Ihr die folgende Geschichte. 
Vielleicht aber auch noch nicht. 
Auf jeden Fall aber ist sie weitererzählenswert.  



Du bist wertvoll;

Ein wohlbekannter Sprecher startete sein Seminar, indem er einen Scheck von 40 EURO hoch hielt. 

In dem Raum saßen insgesamt 200 Leute.

Er fragte: "Wer möchte diesen Scheck haben?"

Alle Hände gingen hoch.

Er sagte: "Ich werde diesen 40 EURO Scheck einem von Euch geben, aber
zuerst lasst mich eins tun."

Er zerknitterte den Scheck.

Dann fragte er: "Möchte ihn immer noch einer haben?"

Die Hände waren immer noch alle oben.

Also erwiderte er: "Was ist, wenn ich das tue?"

Er warf ihn auf den Boden und rieb den Scheck mit seinen Schuhen am dreckigen Untergrund.

Er hob ihn auf, den Scheck; er war zerknittert und völlig dreckig.

"Nun, wer möchte ihn jetzt noch haben?"

Es waren immer noch alle Arme in der Luft.

Dann sagte er:

"Liebe Freunde, wir haben soeben eine sehr wertvolle Lektion gelernt.
Was auch immer mit dem Geld geschah: 

Ihr wolltet es haben, weil es nie an seinem Wert verloren hat. 
Es war immer noch und stets 40 EURO wert.

Es passiert oft in unserem Leben, dass wir abgestoßen, zu Boden geworfen, zerknittert, und in den Dreck geschmissen werden. 

Das sind Tatsachen aus dem alltäglichen Leben.

Dann fühlen wir uns, als ob wir wertlos wären. 

Aber egal was passiert ist oder was passieren wird, 
DU wirst niemals an Wert verlieren. Schmutzig oder
sauber, zerknittert oder fein gebügelt, 

DU bist immer noch unbezahlbar
für all jene, die dich über alles lieben.

Der Wert unseres Lebens wird nicht durch das bewertet, 

was wir tun oder wen wir kennen, oder wie wir aussehen ... 
sondern dadurch wer wir sind. 

Du bist etwas Besonderes und wertvoll
Vergiss das NIEMALS
Und denk daran:  


Einfache Leute haben die Arche gebaut - 
Fachmänner die Titanic."

(Der Verfasser ist leider unbekannt )
ich bekam sie zugeschickt


Eduard Mörike (1804-1875)



Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.
 
 
 


 

Sei still mein Herz


 

Sei still mein Herz,
wenn auch der Sommer geht.
Lass weiter uns an Wunder glauben
und hoffen, dass es nicht zu spät!

Tränen




Sanft und salzig
befreiend
erleichternd
lebendig
Ich weiß, dass ihr da seid
mich drückt
mich ausfüllt
Ich spüre euch unter der
glatten Oberfläche
dem Spiegel meiner Augen

Ich warte auf euch


Text und Bild Andrea Seyfferth

Andrea Seyfferth

Herbstgewitter
Donner und Blitz
Sturm und Regen
Mein Innerstes
meine Gefühle nach außen gekehrt
auf das Wetter projiziert
Es reinigt und kühlt kurz
Dann fühl ich die Wut
die Traurigkeit wieder
Es hat sich nicht verändert
Tja Frau Frisch
du machst es dir zu leicht
Es wäre schön einfach
wenn du deine Gefühle
deine Seelenstürme
über das Wetter
über einen Herbststurm
ausleben könntest
Du musst wohl
langsam mal
selbst toben

Bild  gemalt von Andrea Seyfferth

Joseph Freiherr von Eichendorff



Schläft ein Lied in allen Dingen
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.



Charles-Pierre Baudelaire

Bessenheit


Ihr erschreckt mich, tiefe Wälder, wie die Kathedralen;
Ihr heult wie Orgeln; durch eure Herzen, die verflucht,
Den Kammern ewger Trauer, alte Röchellaute schallen,
Hallt's De Profundis wider, das ihr beständig ruft.

Ich hass dich, Ozean! dein Wogen und dein Toben,
Auch meinen Geist bestimmt! Ich's bittre Lachen hör
Des besiegten Menschen, voll Wutgeschrei und Sorgen,
Es gleicht dem weiten Lachen des gewaltgen Meers.

Wie liebte ich dich, Nacht! hättst du nicht die Sterne,
Deren Leuchten stets dieselbe Sprache spricht!
Denn ich such das Nackte, die Schwärze und das Nichts!

Sind denn nicht auch Gemälde diese finstren Fernen,
Wo mein Aug lebendig tausendfach entzückt,
Was dahinging einst, mit vertrautem Blick.


* 9. April 1821 ; † 31. August 1867
in Paris

Nächtliche Gedanken!



Wie sehr
man doch die Freiheit genießen kann,
das völlige losgelöst sein,
vom Willen und Unwillen eines fremden Wesens,
das losgelöst sein
von allen Gedanken der Furcht!

Es ist das  Fest der Nacht,
auf dem man sein einziger, stiller Gast ist.

Man genießt die aus der Tiefe der Seele
aufsteigenden Freuden
und webt sie wie in seidene Tücher.

Es scheinen dabei leise Melodien mitzuschwingen,
solche von singenden Geigen,
die sich wie eine wundervolle Harmonie
auf  die Seele legen.

Für Momente
scheint  man den grauen Schleiern der Befürchtungen entrückt
und fühlt nicht mehr so sehr den Schmerz,
der an die eigene Vergänglichkeit erinnert.

Alle irdischen Fesseln scheinen abzufallen.
Es ist, als schwänden sie mit dem Strome der Zeit,
in das Meer des Vergessens.

Und am Himmel
flammen  Sterne neuer Hoffnungen auf.


© Marianne Reepen