Gemeinsam Schönes entdecken, lesen, schreiben, ohne Häme, ohne Kritik, das ist unser Anliegen. Ich werde in Euren Beitragen nichts ändern oder korrigieren, denn keiner soll sich kontrolliert fühlen. Viel Freude am Schreiben und Lesen FvB

Fröhlich Neujahr

von Stine Andresen  


Fröhlich Neujahr ruft's entgegen
Heute sich von Mund zu Mund!
Mög doch dieses Grußes Segen
Recht uns gehn von Herzensgrund,
Daß wir in der That bewähren
Diesen Wunsch, so inhaltsvoll,
Uns zum Segen, Gott zu Ehren
Und zu unsrer Brüder Wohl.

Fröhlich Neujahr allen Freunden
Mit dem warmen Druck der Hand,
Und Versöhnung mit den Feinden:
So nur sind wir Gott verwandt.
Haß und Feindschaft, Falschheit, Tücke,
Alles, was sich nicht bewährt,
Werft es hinter euch zurücke,
Alles Böse sei verjährt.

Fröhlich Neujahr! Allen Armen
Warmes Kleid und täglich Brot!
Habt, ihr Reichen, habt Erbarmen,
Lindert gern der Armen Not!
Jeder hartbedrängten Seele,
Darbend still, in Einsamkeit,
Daß ihr nie der Tröster fehle,
Hülf' und Rat zur rechten Zeit!

Fröhlich Neujahr allen Kranken!
Mögen sie Genesung schaun,
Und, die in Verzweiflung sanken,
Neuen Mut und Gottvertraun!
Allen Traurigen und Müden,
Allen, die an Gräbern stehn,
Mög' im neuen Jahre Frieden,
Trost und Hoffnung auferstehn!

Fröhlich Neujahr! Weit soll's klingen
Uebers Meer zum fernen Strand,
Soll zu unsern Lieben dringen
Wie ein Gruß vom Heimatland!
Die mit uns nicht konnten tauschen
Händedruck und Liebeskuß,
Mög' sie freundlich dort umrauschen
Aus der Heimat unser Gruß.

Fröhlich Neujahr! All' ihr Brüder
Auf dem weiten Erdenland!
Groß und Klein und Hoch und Nieder,
All' umschling' der Liebe Band.
Laßt uns denn im neuen Jahre
Guter Thaten Samen streun,
Daß wir mögen bis zur Bahre
Ihrer Früchte uns erfreun.

Weihnachten

von Kurt Tucholsky  


So steh ich nun vor deutschen Trümmern
und sing mir still mein Weihnachtslied.
Ich brauch mich nicht mehr drum zu kümmern,
was weit in aller Welt geschieht.
Die ist den andern. Uns die Klage.
Ich summe leis, ich merk es kaum,
die Weise meiner Jugendtage:
O Tannebaum!


Wenn ich so der Knecht Ruprecht wäre
und käm in dies Brimborium
- bei Deutschen fruchtet keine Lehre -
weiß Gott! ich kehrte wieder um.
Das letzte Brotkorn geht zur Neige.
Die Gasse gröhlt. Sie schlagen Schaum.
Ich hing sie gern in deine Zweige,
o Tannebaum!



Ich starre in die Knisterkerzen:
Wer ist an all dem Jammer schuld?
Wer warf uns so in Blut und Schmerzen?
uns Deutsche mir der Lammsgeduld?
Die leiden nicht. Die warten bieder.
Ich träume meinen alten Traum:
Schlag, Volk, den Kastendünkel nieder!
Glaub diesen Burschen nie, nie wieder!
Dann sing du frei die Weihnachtslieder:
O Tannebaum! O Tannebaum!

In der Nacht vorm Christ

von Gustav Falke  


In der Nacht vorm Christ fängt's an zu schnei'n,
die Welt liegt still, als schliefe sie ein.
Der Engel tritt an den Waldessaum
und trägt einen brennenden Weihnachtsbaum.

Äpfel und Nüsse sind daran
und auch ein Herz aus Marzipan.
Und der Lichtlein leuchten wohl hundert und mehr
und streuen ihren Schimmer weit umher.

Der Engel lugt ins schlafende Land
und steigt hinab, den Baum in der Hand,
und unten geht er von Haus zu Haus,
weht keins der himmlischen Lichter aus.

In alle Fenster sieht er hinein,
ob da auch schlafende Kinder sein,
da geht ein Lächeln durch ihren Traum,
und sie träumen alle vom Weihnachtsbaum.

Große Kinder und alte Leut
sagen dann wohl stillerfreut:
"Morgen Abend um diese Zeit",
Und sehn zum Fenster hinaus, wie's schneit.

Ganz leise fallen die Flocken und dicht,
ist alles so still und weiß und licht,
nur ganz Kluge, Helläugige seh'n
vom Engel noch leichte Spuren geh'n.

Als ob ein zierliches Rehlein lief,
ganz obenhin, sank gar nicht tief.
Blieb aber, riech nur, in der Luft
so ein seltsamer süßer Duft.

Und liegt überm Land und weit hinein
so ein stiller, himmlischer Schein
wie auf der schlafenden Kinder Gesicht
der Widerschein vom Weihnachtslicht.

Drei Tage vor Weihnachten


von Adolf Ey


Wie ich in der Dämmerung sacht
Drei Tage vor der heiligen Nacht
In dem bauschigen weiten Pelze
Durch die wirbelnden Flocken stelze,
Auf dem Graukopf die rauhe Mütz,
Ducknackt wie der alte Fritz,
Und das Runzelgesicht mit dem langen
Windverwehten Bart umhangen,
Hör ich hinter mir immer mehr
Kleine Füßchen trippeln daher.
Das trappelt und hüpft grad wie die Spatzen,
Und wie sie piepsen und wie sie schwatzen!
Und wie ich endlich um mich seh,
Stehn sieben Zwerglein in dem Schnee.
Drängen sich an mich dicht und dichter,
Lauter fragende Kindergesichter,
Und das Kleinste spricht und sieht mich an:
„Du, bist Du wirklich der Weihnachtsmann?"
Da hab ich denn frisch drauf los gelogen,
Bin mit ihnen zu dem Bäcker gezogen,
Und als mit Kake und Praline
Wir nachher standen drauß im Schnee,
Da sprach das kleinste Männchen bieder:
„Morgen punkt sechs, da kommen wir wieder!"



Regenbogen

Ich wünsche dir 
noch viele Regenbögen,
die dir der Buntheit Schönheit 
zeigen mögen.

Und wenn der Seele Sonne
an deinem Schmerz sich bricht,
behalt der Liebe Lächeln im Gesicht.

Und quäle andre Menschen nicht,
hör ihnen zu, was sie dir sagen wollen,
denn alle geh’n auf vorgegebnem Steg,
dem gleichen, unbekannten Ziel entgegen,
dem Ort,
der ward von Menschen ihm gepriesen,
als jenem Weg zu Himmelsparadiesen.

Hab keine Furcht!
Üb’ weiter dich am Lächeln einer Dankbarkeit
entsprungen einer tiefen Liebe,
in dem jetzt dich schon beugenden Leid.

Fühlst du getragen dich
von hohen Schöpfers Hand,
wirst langsam du dich lösen,
vom dich geprägten Lebensband,
von Erdenreich, das dich magnetisch hält,
so lang du lebst auf dieser Welt.

Bewusster strebst dem Unbekannten du entgegen.
Es wird dir weiter Kraft gegeben,
auch in den schwersten Stunden.

Allen kranken
und bangenden Menschen gewidmet...



Tagträume


Tagträume geträumt, ein wenig gesäumt,
am Waldrand geweilt.

Nichts hat gedrängt und nichts hat geeilt-
die Sonne genossen, die warm sich ergossen.

Stärkung getrunken, dahin dann gesunken,
zusammengerollt und nichts mehr gewollt.

Vom Strählchen geneckt, aus Traum aufgeschreckt!
Der Maientag lacht, hat munter gemacht.



Vadőr Vadász


Gewitterwolken

Dunkelheit füllt den Weg
doch nur ein Blitz
erhellt mein Herz
denn er zeichnet dich
deine Silhouette
Du kommst mir entgegen







Aufbruch



Dem neuen Jahr entgegen
dem Alten ein Ade‘
Glück auf allen Wegen
wenn ich nach vorne seh‘  


Was war das ist gewesen
was wird das komm herbei
was krankt ist nun genesen
der Kopf ist wieder frei 


Mag alles näher kommen
und ist es schwere Last
auch das wird angenommen
nur neuen Mut gefaßt 


Es ist ein frohes Schaffen
wenn Ziel und Wille klar
bei Seite mit dem Alten
das Last und Leiden war 


Gertraud Groß


Peter Rosegger (1843-1918) ...



Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit, 
ein bisschen mehr Güte und weniger Neid. 
Ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass, 
ein bisschen mehr Wahrheit - das wäre was. 

Statt so viel Unrast ein bisschen mehr Ruh, 
statt immer nur ICH ein bisschen mehr DU. 
Statt Angst und Hemmung ein bisschen mehr Mut 
und Kraft zum Handeln - das wäre gut. 

In Trübsal und Dunkel ein bisschen mehr Licht, 
kein quälend Verlangen, ein bisschen Verzicht. 
Und viel mehr Blumen, solange es geht, 
nicht erst an den Gräbern, da blühn sie zu spät.


Zur Adventszeit
sind diese Wünsche
mal wieder sehr weit vorne.








Sieben weiße Rosen



sind Sinnbild mir
für sieben friederfüllte Tage,
und zur Freude gegen Schmerz.

Auf viele Ignoranzen, 
die manche Menschen üben, 
leg’ ich die erste Blüte,
bedecke sie mit reiner Güte 

Die zweite kühlt die rote Glut, 
die oft mir durch die Seele geht, 
dass milder Weisheit Wind mir weht.

Die dritte leg ich auf mein Herz, 
dass Tränen mildern meinen Schmerz.
Die letzten an der grünen Ranke, 
sie sind das Hoffen und mein Danke.


WIR MÜSSEN DAS HOFFEN LERNEN

wider alle Hoffnungslosigkeiten!


Marianne Reepen