Gemeinsam Schönes entdecken, lesen, schreiben, ohne Häme, ohne Kritik, das ist unser Anliegen. Ich werde in Euren Beitragen nichts ändern oder korrigieren, denn keiner soll sich kontrolliert fühlen. Viel Freude am Schreiben und Lesen FvB

Ferdinand Freiligrath



 (Aus "Neuere politische und soziale Gedichte", 1849-51)

Kein offner Hieb in offner Schlacht - 
es fällen die Nücken und Tücken, 
es fällt mich die schleichende Niedertracht 
der schmutzigen West-Kalmücken! 



David und der Weihnachtskarpfen



Auswahlliste Deutscher Jugendliteraturpreis 1975



Ich wusste doch, 
dass wir das Buch 
noch in unserer 
Kinderbücherkiste
meiner Tochter hatten






Diese Weihnachtsgeschichte, in der ein kleiner Junge ein ganz besonderes Geschenk von seinem Vater bekommt, spielt am Tag vor dem Heiligen Abend in Prag.
Es wird erzählt, wie David und sein Vater auf dem Fischmarkt einen Karpfen kaufen und ihn zusammen nach Hause tragen. Als aber David in der Küche das große Messer entdeckt, will er diesen Fisch retten. Doch bis Vater und Sohn am Heiligen Abend am Ufer der Moldau stehen und dem Karpfen seine Freiheit schenken, muss noch ein kleines Weihnachtswunder geschehen.

Ferdinand Freiligrath

 

O Lieb, solang du lieben kannst!

O lieb, solang du lieben kannst!
O lieb, solang du lieben magst!
Die Stunde kommt, die Stunde kommt,
Wo du an Gräbern stehst und klagst!

Und sorge, daß dein Herze glüht
Und Liebe hegt und Liebe trägt,
Solang ihm noch ein ander Herz
In Liebe warm entgegenschlägt!

Und wer dir seine Brust erschließt,
O tu ihm, was du kannst, zulieb!
Und mach ihm jede Stunde froh,
Und mach ihm keine Stunde trüb!

Und hüte deine Zunge wohl,
Bald ist ein böses Wort gesagt!
O Gott, es war nicht bös gemeint, -
Der andre aber geht und klagt.

O lieb, solang du lieben kannst!
O lieb, solang du lieben magst!
Die Stunde kommt, die Stunde kommt,
Wo du an Gräbern stehst und klagst!

Dann kniest du nieder an der Gruft
Und birgst die Augen, trüb und naß,
- Sie sehn den andern nimmermehr -
Ins lange, feuchte Kirchhofsgras.

Und sprichst: O schau auf mich herab,
Der hier an deinem Grabe weint!
Vergib, daß ich gekränkt dich hab!
O Gott, es war nicht bös gemeint!

Er aber sieht und hört dich nicht,
Kommt nicht, daß du ihn froh umfängst;
Der Mund, der oft dich küßte, spricht
Nie wieder: Ich vergab dir längst!

Er tat’s, vergab dir lange schon,
Doch manche heiße Träne fiel
Um dich und um dein herbes Wort -
Doch still - er ruht, er ist am Ziel!

O lieb, solang du lieben kannst!
O lieb, solang du lieben magst!
Die Stunde kommt, die Stunde kommt,
Wo du an Gräbern stehst und klagst!


Ferdinand Freiligrath





Marianne Reepen


Liebessymphonien der Herzen,

die von der Schönheit der Erde singen,
wo breite Ströme fließen
und klare Quellen springen,
wo alle Bäume rauschen,
wir murmelnden Bächen lauschen,
Vogelrufe in Sehnsuchtsweisen tönen
und Menschenherzen rufen nach Versöhnen!

Molltöne entstehen dort, wo Menschen bangen,
in unhörbarem Verlangen.

Meeressymphonien, Wellenmelodien,
die lieblich und leicht die Ufer umspülen,
gewaltig tosend die Erde aufwühlen!

Wildmöwen, die über das Wasser kreischen,
gierig, begehrenden Raubvögeln gleichen.
im gleißenden, beißenden Sonnenlicht-

Und am Abend
ein leichtes Geplätscher
im Mondenschein,
Glanz auf den Wassern
und ein Mensch,
völlig allein,
dem Wunder hingegeben!




Gut ist es, schreiben zu können.

Man taucht dabei ein,
in eine andere Welt
und vergisst darin alle Schwere.

Es mutet an, wie ein Wunder,
dass dieses möglich ist.

Das geistige Tun
übersteigt und verschleiert für eine Zeitlang alles,
was man als unangenehm empfindet
 und bringt uns dadurch
in weit bessere Atmosphären,
als sie die Wirklichkeit vorgibt.


© Marykathrein

19. August 2012



Johann Christian Friedrich Hölderlin

 

 

Des Morgens

Vom Taue glänzt der Rasen; beweglicher
Eilt schon die wache Quelle; die Buche neigt
Ihr schwankes Haupt und im Geblätter
Rauscht es und schimmert; und um die grauen

Gewölke streifen rötliche Flammen dort,
Verkündende, sie wallen geräuschlos auf;
Wie Fluten am Gestade, wogen
Höher und höher die Wandelbaren.

Komm nun, o komm, und eile mir nicht zu schnell,
Du goldner Tag, zum Gipfel des Himmels fort!
Denn offner fliegt, vertrauter dir mein
Auge, du Freudiger! zu, solang du

In deiner Schöne jugendlich blickst und noch
Zu herrlich nicht, zu stolz mir geworden bist;
Du möchtest immer eilen, könnt ich,
Göttlicher Wandrer, mit dir! – doch lächelst

Des frohen Übermütigen du, daß er
Dir gleichen möchte; segne mir lieber dann
Mein sterblich Tun und heitre wieder
Gütiger! heute den stillen Pfad mir.




Johann Christian Friedrich Hölderlin
 (* 20. März 1770 in Lauffen am Neckar; † 7. Juni 1843 in Tübingen)
 
 
 

Schlechte Zeiten?



Schlechte Zeiten?

Wir holen sie nicht zurück,
die besseren Zeiten, 
selbst dann nicht,
wenn wir uns noch so bemühen
und über das Unvermeidliche klagen.

Wir müssen uns 
den Gegebenheiten anpassen,
wenn wir nicht 
vorzeitig untergehen wollen.

Anpassung in lebenswichtigen Lagen,
war schon immer eine Überlebenskunst.

Wenn man manches 
auch nicht gut heißen kann,
von dem, was man sieht und hört,
und wenn die große Masse Mensch 
auch nicht lernt, 
weil sie sich einfach weiter 
mit dem Strome treiben lässt,

Was will der Einzelne tun, 
wenn er keine Kraft mehr hat,
sich gegen die 
mächtige Strömung aufzubäumen?

Unsere Gedanken und Worte 
sind wie kleine Tropfen,
die auf siedend-heißen Steinen 
schnell verzischen.

Und dennoch bleibt die Hoffnung!

© Marykathrein 



Freunde

Menschenfreunde helfen dir, 
dich über Wege zu tragen.

Jene sind es, 

die selbst in Betroffenheiten wagen
 ein liebes Wort zu schreiben und zu sagen.

Das sind die einfühlsamen,
die lebensbejahenden Helfer,
die nicht in eigner Angst ersticken,
die dich weitergehen heißen,
dir füllen manche Wegeslücken.

Du spürst ihre Nähe: - Du bist nicht allein. -
Was denn kann es anders sein, 
was dich ertragen lässt?!

Sie drängen nicht.
Wie schwerelos halten sie 
mit ihrem Herzen dich fest,
lassen dich das Weitergehen wagen
um trotz deiner Schwachheit 
nicht zu verzagen.

Jedem sende ich nun 
mit dem Maienwind,
ein Frühlingsblumenkind 
und grüße alle Herzen..
Menschenfreunde 
muss man nicht mit Namen nennen.
Sie wissen es selbst, wenn sie es sind.

Marianne Reepen




Halt die Zeit an






„Bitte halt die Zeit an.“

Die Augen der jungen Patientin sind flehend auf den Arzt gerichtet.

„Ich habe doch so wenig erlebt, so wenig gesehen, ich weiß, dass meine Zeit begrenzt ist, wenn ich keine neue Lunge bekomme.“

Schwer atmend lässt sich Merlina wieder auf die wie immer hochaufgetürmten Kissen zurück sinken, um Atem ringend, blass und mager, mit großen, brennenden Augen, die tränenleer sind, doch in denen sich alles Leid dieses jungen Menschen spiegelt.

Zystische Fibrose war die Diagnose, die die Eltern wenige Tage nach der Geburt aufschrecken ließ und fortan, wie ein großer schwarzer Schatten die Familie begleitete. Wie oft mussten sie schon um das Leben des Kindes bangen, wenn wieder ein schwerer Infekt, eine Lungenentzündung an den Kräften der Patientin zehrte.

Merlina musste immer wieder aufgepäppelt werden, denn der große Gewichtsverlust, der mit jeder schon kleinsten Erkrankung einherging, verschlimmerte die Haupterkrankung.

Zeit gewonnen wurde bereits durch die Verbesserung in der medikamentösen Versorgung, so erreichen die Betroffenen durch Unterstützung der befallenen Organe vielfach ein höheres Lebensalter, als es noch vor zwei Jahrzehnten möglich war.

Merlinas Satz - Halt die Zeit an - während meines Dienstes in der Sterbebegleitung hat viel in mir bewegt, aufgerührt.

Für die Siebzehnjährige hielt die Zeit nicht an, aber wir dürfen nicht einfach dastehen und abwarten, wir alle müssen mithelfen, dass Mukoviszidose, so die bekanntere Bezeichnung dieser Krankheit, immer besser behandelt werden kann. Lest nach, denn die Mukoviszidose ist nach der Hämochromatose die häufigste angeborene Stoffwechselerkrankung hellhäutiger Menschen. Die Erkrankungsquote liegt bei etwa 1:2.000 Neugeborenen, in Schottland sogar bei 1:500. Bei Menschen afrikanischer Abstammung beträgt das Risiko etwa 1:17.000. Für Menschen asiatischer Abstammung ist es mit etwa 1:90.000 am unwahrscheinlichsten, mit der Erkrankung geboren zu werden.

Rund 8000 Menschen leben in Deutschland mit dieser bisher unheilbaren Erbkrankheit. Vier Prozent der deutschen Bevölkerung, also rund drei Millionen Menschen, sind gesunde Genträger, die das mutierte Allel weitervererben können. Jedes Jahr kommen in Deutschland rund 300 Kinder mit Mukoviszidose auf die Welt.


FvB






FROHNAU - LIED



Berlin ist schon `ne dufte Stadt,
die ganz verschied´ne Reize hat.
Man könnte manches Fleckchen lieben,
doch ich – ich sage euch genau,
das schönste Fleckchen ist Frohnau.
Und da, da bin ich häng´n geblieben,
ja, ich hänge an Frohnau,
ja, ich hänge an Frohnau!

Als Schulkind schon, blick ich zurücke,
passiert ich Turm und S-Bahnbrücke
Es kam da mancherlei ins Spiel,
wie bei der Liebe das Gefühl.
Berlin im Krieg vergess ich nimmer.
Ich irrte durch die Bombentrümmer,
kriegt meine erste Liebe mit,
als Amors Pfeil mich glatt durchschnitt.

Ich reiste später oft und viel,
fand manches schöne, gute Ziel.
Doch hat´s mich nirgends lang gehalten,
ich kam zurück zum Trauten, Alten.
Und wenn mir weiter nichts mehr bliebe,
Frohnau gilt meine ganze Liebe.
Und kannst du das nicht recht verstehn,
komm nach Frohnau, dann wirst du sehn:

 Berlin ist schon `ne dufte Stadt,
die ganz schön viele Reize hat.
Man könnte manches Fleckchen lieben.
Doch ich – ich sage euch genau,
das schönste Fleckchen ist Frohnau.
Und da – da bin ich häng´n geblieben,
ja, ich hänge an Frohnau –
ja, ich hänge an Frohnau!
***
             Text: © Tilly Boesche-Zacharow          
Vertonung u.Vortrag: Johannes Richter
1987


Tilly-Boesche-Zacharow bekam hierfür den 2.Preis  bei dem Frohnau-Jubiläum