Gemeinsam Schönes entdecken, lesen, schreiben, ohne Häme, ohne Kritik, das ist unser Anliegen. Ich werde in Euren Beitragen nichts ändern oder korrigieren, denn keiner soll sich kontrolliert fühlen. Viel Freude am Schreiben und Lesen FvB

Charles-Pierre Baudelaire

Bessenheit


Ihr erschreckt mich, tiefe Wälder, wie die Kathedralen;
Ihr heult wie Orgeln; durch eure Herzen, die verflucht,
Den Kammern ewger Trauer, alte Röchellaute schallen,
Hallt's De Profundis wider, das ihr beständig ruft.

Ich hass dich, Ozean! dein Wogen und dein Toben,
Auch meinen Geist bestimmt! Ich's bittre Lachen hör
Des besiegten Menschen, voll Wutgeschrei und Sorgen,
Es gleicht dem weiten Lachen des gewaltgen Meers.

Wie liebte ich dich, Nacht! hättst du nicht die Sterne,
Deren Leuchten stets dieselbe Sprache spricht!
Denn ich such das Nackte, die Schwärze und das Nichts!

Sind denn nicht auch Gemälde diese finstren Fernen,
Wo mein Aug lebendig tausendfach entzückt,
Was dahinging einst, mit vertrautem Blick.


* 9. April 1821 ; † 31. August 1867
in Paris

Nächtliche Gedanken!



Wie sehr
man doch die Freiheit genießen kann,
das völlige losgelöst sein,
vom Willen und Unwillen eines fremden Wesens,
das losgelöst sein
von allen Gedanken der Furcht!

Es ist das  Fest der Nacht,
auf dem man sein einziger, stiller Gast ist.

Man genießt die aus der Tiefe der Seele
aufsteigenden Freuden
und webt sie wie in seidene Tücher.

Es scheinen dabei leise Melodien mitzuschwingen,
solche von singenden Geigen,
die sich wie eine wundervolle Harmonie
auf  die Seele legen.

Für Momente
scheint  man den grauen Schleiern der Befürchtungen entrückt
und fühlt nicht mehr so sehr den Schmerz,
der an die eigene Vergänglichkeit erinnert.

Alle irdischen Fesseln scheinen abzufallen.
Es ist, als schwänden sie mit dem Strome der Zeit,
in das Meer des Vergessens.

Und am Himmel
flammen  Sterne neuer Hoffnungen auf.


© Marianne Reepen




K r i e g s k i n d e r !

.
Im Jahre 1998 wurde in Berlin eine Stiftung für Kriegskinder gegründet So viele Jahre sind seit dem II Weltkrieg vergangen. Die damaligen Kinder sind heute schon über 7o jährige Senioren.
Diese Menschen hatten in ihrer Kindheit die Schrecken des Krieges erleben müssen. Im Alter kommen die Erinnerungen der Kindheit zurück. Warum ? das weiß auch die Forschung nicht. Man erinnert sich an die Kindheit mehr, als an die Jahre der Arbeit und des Lebens in jüngeren Jahren.
Auch ich gehöre zu Ihnen.
Am Mittwoch den 25.03.09 strahlte die ARD den Film „Kinder des Sturms“ aus
Der Film der in Schlesien anfing, wo ich geboren bin, hat mich sehr berührt. Alles war wieder da , die Angst, die Sorge um Vater .Das Überleben der Zeit.
Man sollte doch vergessen, aber es wird immer in Gedächtnis bleiben. Bloß die Hoffnung, dass die junge Generation die in Frieden leben darf, niemals so was erleben soll, ist Erleichterung für die Seele der heutigen Großeltern.

Kinder – sind und bleiben immer für jede Generation das Vermächtnis des Lebens.

Die Zeit des Krieges, da waren so viele Ereignisse, die in meiner Erinnerung verbleiben. Aber eins ist besonders stark eingeprägt.


Der Z u g


Es war der 19.Januar 1945. Ich damals 10 Jahre alt. Bin mit meiner Mutter ins Krankenhaus nach Liegnitz gefahren. Mein Vater wurde dort nach einer schweren Verwundung eingeliefert. Alle sagten meiner Mutter fahr nicht mehr – die Front ist schon so nah. Die Russen sind schon überral.
Mutter aber, /die Vater schon so lange nicht gesehen hatte / hörte auf niemanden. Zwei meine Schwestern 6 und 3 Jahre blieben bei Großeltern.
Die Begegnung mit Vater, die Tränen der Rührung als er uns begrüßte die vergesse ich niemals.
Am Tag des Abschieds hatte Vater und wir Angst .Werden wir uns noch wieder sehen. Die Front war nah und der Krieg tobte noch weiter.
Am Bahnhof war alles in Auffuhr. Kein Zug wird nach Kattowitz mehr abfahren. die Front ist schon an der Neiße. Man sah Menschen die aus Oppeln ankamen mit dem, was sie bloß mitnehmen konnten. Ich hatte Angst, denn Mutter die ja 2 kleine Kinder in der Obhut ihren alten Eltern gelassen hatte, wollte zurück .Dann wurde gesagt es wird noch ein Zug sein .Als wir gewartet haben kam ein Transportzug mit Kindern aus Ostpreußen. Bloß Kinder, viele Kinder ohne Eltern die weinten .
Es waren Flüchtlingskinder die nach Westen kamen um den Krieg zu entkommen Die Menschen die am Bahnhof verweilten, waren erschüttet. Am Bahnhof war eine Auflaufstelle eingerichtet, wo man erfahren konnte wer schon aus Ostpreußen oder Schlesien geflüchtet war. Mutter war sehr verunsichert war, ob die Großeltern auch schon geflüchtet sind. Also sagte sie mir“, rühr dich nicht weg bleib bei unseren Gepäck und warte auf mich“ Es war einer der kältesten Winter des Jahres 1945.Mir war schon sehr kalt. Ich hatte Hunger .Es waren doch schon viele Stunden vergangen. Es wurde immer lauter in der großen Halle des Bahnhofs. Ich war ja noch ein Kind so bekam ich Angst, dass Muter nicht kommt. Diesen Moment zu beschreiben ist für mich noch heute sehr schwer. Ein Polizist der schon eine Weile hin und her gegangen war, fragte mich ob ich alleine bin usw. Ich fing an zu weinen, es war zum Glück ein Mensch mit guten Herzen. Also ging er sich erkundigen in das Flüchtlingsbüro wo er nach meiner Mutter suchte. Mutter war noch immer in der Reihe der Menschen die auch Auskunft wollten. Dieses Büro konnte leider meiner Mutter nicht weiter helfen.
So sind wir dann doch in den letzten Zug eingestiegen der nach Kattowitz abfuhr. Es wurde aber gesagt, dass keiner sagen kann ob er noch dort ankommt.
Die Fahrt in dem übergefüllten Zug die kann sich ja jeder vorstellen. An der Brücke vor Breslau, ist der Zug stehen geblieben.. Es wurde gesagt wir sollen aussteigen ,die Brücke soll gesprengt werden, weil die russische Armee in Anmarsch sei .Viele Menschen stiegen aus .In den Schnee der sehr hoch war in diesen Tagen .Von weiten sah ich die Kolumne der vielen Menschen mit kleinen Holzwagen mit ihren Hab und Gut. Kinderwagen wurden gezogen und es waren Kinder dabei, die alle kamen von Oppeln und wollten weiter.. Bloß weg von der Front. .Ich registrierte dann schon nichts mehr. Muter stieg nicht aus. Der Zug wurde immer leerer, dann die Nachricht, dass dieser Zug doch noch die Brücke passieren darf.

Als wir sehr spät in der Nacht bei meinen Großeltern ankamen, war es meine Mutter, die in Tränen ausbrach. Die Kinder waren mit Großeltern noch nicht geflohen. Es waren schon Sachen zur Flucht vorbereitet, aber Großvater wollte noch warten auf eine Nachricht von uns..

Am 27.01.1945 wurde unsere Stadt wie damals gesagt  von den Faschisten befreit.

Was die deutschen Familien später erleben mussten, dass ist schon eine andere Geschichte.

Die jüngere Generation versteht es nicht, dass man solche Geschichten nach 60 Jahren erinnert. Aber, es geht dieser Generation so gut, dass sie nicht wissen wollen, dass es noch Menschen gibt, die es nicht vergessen können.
Auf der Flucht erfroren wie es aus der/ provisorischen /Nachricht bekannt wurde über 3500 Kinder, die Wirklichkeit aber kann niemand ermessen.


Ottilie K. 

Wandlung


Trauer hielt mich 
zu lange gefangen
ich merkte nicht
dass ich mein Ich
fast verlor
doch mit dem Wind 
und mit den Vögeln 
die aus dem Süden kamen
erreichte mich ein Ruf
ich öffnete ihm mein Herz
das Leben trat ein
mit dir und deinem Lachen

Jessika


Kommt näher


Dieses Gedicht schrieb eine alte Frau, 
die seit langem in einem Pflegeheim in Schottland lebte 
und von der man annahm, sie sei desorientiert.
Nach ihrem Tod fand man 
dieses schöne Gedicht bei ihren Sachen:

Was seht ihr, Schwestern?
Was seht ihr, Schwestern, was seht ihr?

Denkt ihr, wenn ihr mich anschaut:
Eine mürrische alte Frau, 
nicht besonders schnell,
verunsichert 
in ihren Gewohnheiten,
mit abwesendem Blick,
die ständig beim Essen kleckert,
die nicht antwortet, wenn ihr sie anmeckert,
weil sie wieder nicht pünktlich fertig wird.
Die nicht so aussieht, 
als würde sie merken,
was ihr macht
und ständig den Stock fallen lässt
und nicht sieht, wo sie geht,
die willenlos alles mit sich machen lässt:

Füttern, waschen und alles was dazu gehört.
Denkt ihr denn so von mir, Schwestern,
 wenn ihr mich seht, sagt?
Öffnet die Augen, Schwestern!
Schaut mich genau an!
Soll ich euch erzählen, wer ich bin,
die hier so still sitzt,
die macht, was ihr möchtet
 und isst und trinkt, wenn es euch passt?

"Ich bin ein zehnjähriges Kind
mit einem Vater und einer Mutter,
die mich lieben, 
meine Schwester und meinen Bruder.

Ein sechzehnjähriges Mädchen, 
schlank und hübsch,
die davon träumt, 
bald einem Mann zu begegnen.

Eine Braut, fast zwanzig,
mein Herz schlägt heftig beim Gedanken 
an die Versprechung,
die ich gegeben und gehalten habe.

Mit fünfundzwanzig 
habe ich eigene kleine Kinder,
die mich zu Hause brauchen.

Eine Frau mit dreißig, 
meine Kinder wachsen schnell
und helfen einander.

Mit vierzig, 
sie sind alle erwachsen 
und ziehen aus.
Mein Mann ist noch da 
und die Freude nicht zu Ende.

Mit fünfzig 
kommen die Enkel 
und erfüllen unsere Tage,
wir haben wieder Kinder- 
mein Geliebter und ich.

Dunkle Tage kommen über mich, 
mein Mann ist tot.
Ich gehe in eine Zukunft 
voller Einsamkeit und Not.
Die Meinen haben 
mit sich selbst genug zu tun,
aber die Erinnerung von Jahren 
und die Liebe bleibt MEIN!
Die Natur ist grausam, 
wenn man alt und krumm ist
und man wirkt etwas verrückt.

Nun bin ich eine alte Frau, 
die ihre Kräfte dahinsiechen sieht
und deren Charme verschwindet.

Aber in diesem alten Körper 
wohnt immer noch ein junges Mädchen,
ab und zu 
wird mein mitgenommenes Herz erfüllt.

Ich erinnere mich an meine Freuden,
ich erinnere mich an meine Schmerzen 
und ich lebe und liebe 
mein Leben noch einmal,
das allzu schnell 
an mir vorüber geflogen ist
und akzeptiere kühle Fakten,
dass nichts bestehen bleiben kann.

Wenn ihr eure Augen AUFMACHT 
Schwestern,
so seht ihr nicht nur 
eine mürrische alte Frau.

Kommt näher, 
seht
MICH!



Aya

http://kussdermuse.blogspot.com/

Sechzehn Jahre, einhundertfünfzig Tage, dreizehn Stunden

Mein Kind kommt auf die Welt. Ich habe höllische Schmerzen beim austragen, es ist niemand bei mir der mich durch diese Acht Stunden Entbindung begleitet außer einem dutzend Ärzte und Schwestern die mir allesamt auf die Muschi starren und ich mir vorkomme wie bei einer pietätlosen Zirkusveranstaltung. Mein Mann ist arbeiten. Geld scheffeln für ein Leben zu dritt. Allerdings taucht er auch nach der Entbindung nicht mehr auf.

Die ersten Jahre sind der reinste Ärger. Ständig macht man sich sorgen. Ist mein Kind gut versorgt? Hat es alles was es braucht? Wie ernähre ich es richtig damit es mir nicht irgendwann vorhält es sei ständig zu dick? Ich schlage mir die Nächte um die Ohren und alles was ich dafür bekomme sind Sorgen!

Mein Kind ist soweit in den Kindergarten zu gehen. Ich wechsele den Kindergarten nachdem mein Kind dort die Worte „Fotze“, „Arschloch“ und „Ficken“ gelernt hatte und stecke es in einen Kinderhort, wo ich bis dato nicht erfahre das sich die Pädagogen an meinem Kind vergreifen. Auf Anraten eines Arztes lasse ich mein Kind mit Medikamenten gegen seine plötzliche Lustlosigkeit, Angstzustände und Trieblosigkeit vollpumpen.

Es wird Zeit mein Kind auf die Schule zu schicken. Mein Kind entwickelt sich zu einer Art Einzelgänger und ich bekomme nichts davon mit das dass aufgrund von Mobbing und Schikane passiert, denn mein Kind traut sich nicht mit mir darüber zu sprechen, weil es dann bloß wieder Medikamente geben würde. Es bringt nie Freunde mit und so langsam mache ich mir sorgen wegen der abfallenden Noten. Nach einem Gespräch mit dem Klassenlehrer vereinbare ich den ersten Termin beim Psychologen für mein Kind und stelle die Ernährung um. Das hat der Lehrer zwar nicht geraten aber mir ist jetzt nach Schokolade. Der Psychologe rät dazu an mein Kind in Vereine zu stecken, damit es auch andere Kinder kennenlernt und mit ihnen Interagiert. Ich melde mein Kind beim Chor an. Singen macht Spaß und Nächstenliebe ist ein Grund zur Hoffnung. Während ich mit anderen Müttern zusammen Kaffee trinke wird man Kind vom Chorleiter noch im Beichtstuhl dazu bewegt sich auszuziehen und sich anfassen zu lassen.

In den Sommerferien schicke ich mein Kind in diese Ferienlager. Jeden tag rufe ich es an und muss mir anhören es möchte unbedingt wieder nach Hause. Wenn ich frage warum und einen triftigen Grund suche schweigt es. Das reicht mir nicht und es sind doch nur noch zwei Wochen. Als mein Kind zurückkommt will es nicht mit mir sprechen. Der Psychologe erklärt mir, das dass die Trotzphase, die Pubertät ist. Kinder wollen sich loslösen. Ich glaube ihm, er hat den Doktortitel.

Mein Kind hat zwei Klassen der Grundschule wiederholen müssen und endlich geht es auf die weiterführende Einrichtung.  Ein neuer Anfang. Mein Kind ist aufgeregt und ich auch. Was mein Kind so alles den ganzen tag in der Schule macht muss ich nicht mehr verfolgen, schließlich will es mir ohnehin nichts sagen weil Erwachsene nerven und ich verstehe das, denn die Pubertät habe ich auch erlebt. Ich bekomme nicht mit das es von seinen Mitschülern um Geld erpresst wird, das es nach Hause verfolgt, geschlagen und getreten wird. Bekomme nicht mit das es Videos auf YouTube gibt die zeigen wie mein Kind geschlagen und bespuckt wird. Die Noten bleiben stabil, aber soweit ich das mitbekomme geht mein Kind sowieso nicht vor die Tür.

Nachdem ich viele Jahre für mein Kind geopfert habe gehe ich endlich wieder arbeiten. Mein Kind wird langsam erwachsen und ist schon so selbstständig das ich es alleine lassen kann. Jugendliche wollen ohnehin nicht dauernd unter Beobachtung stehen. Ich hatte damals zwar ein erfüllenderes Leben nach der Schule aber wir hatten ja auch keine großen Möglichkeiten wie es die heutige Jugend hat. Während wir und mit uns selbst beschäftigt haben um der langweile zu entfliehen hockt sich mein Kind vor den Fernseher. Zumindest kann ich das nur vermuten. Ich erzähle gerade meiner Kollegin von meinem Kid nun seinem Werdegang und wie Stolz ich auf unser kleine intakte Familie sein kann.

Ich schalte das Radio ein, höre einen Radiosprecher aufgeregt von einer Schießerei erzählen. Ich schalte um zu einem Sender der Musik spielt, damit ich mich besser konzentrieren kann. Als ich zurück nach Hause komme ist es Still. Mein Kind, das wird in seinem Zimmer sein denke ich mir und setze eine Kanne Kaffee auf, koche schon mal das Essen. Mein Kind lässt sich immer noch nicht blicken. Ich gehe zu seinem Zimmer und stelle fest das mein Kind gar nicht da ist. Nur einen Zettel finde ich, der auf dem frisch gemachten bett lag. Und die Worte meine Kindes brennen sich in meinem Kopf ein, als die Polizei vor meiner Wohnung steht um mir zu sagen das seine Worte kein Geschwätz waren.

Sechzehn Jahre, einhundertfünfzig Tage, dreizehn Stunden.


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Purzel

Ja, so heißt er und ist ein Bild von einem Kater. Sein Frauchen ist die Wilhelmine und Purzel ist ihr ganzer Stolz. Paul, der Wilhelmines Mann schon seit Jahrzehnten ist, rangiert sehr weit hinter Purzel. Na ja, so attraktiv wie Purzel sieht er eben nicht mehr aus, das ist wegen dem Zahn der Zeit. Purzel weiß, was er an Wilhelmine hat und schmust mit ihr gern, schließlich würde er sich nie mit einer Katzendame von der Straße einlassen, die ja ohnehin nicht seine Gefühle erwidern kann. Er führt eigentlich ein sorgenfreies Leben, wie man es von menschlichen Kindern in so genannten intakten und wohlhabenden Familien her kennt. Sein Speiseplan ist angemessen. Montag gibt es gespickten Rehbraten, Dienstag gebratenes Hähnchen, am Mittwoch Schnitzel Cordon Bleu, donnerstags gefüllten Putenbraten und am Freitag feines Zanderfilet in Dillsoße. Die weiteren Tage sind entsprechend. Natürlich sind diese Menüs von eigens dazu ausgebildeten Gourmet- Köchen zusammen gestellt worden und werden in sterilen Kleincontainern geliefert. Reste von Wilhelmines Kochkünsten wären eine glatte Zumutung für Purzel. Paul kennt diese feinen Speisen nur aus Büchern. Es wäre grausam zu verlangen, dass Purzel eine Maus verzehren solle, gerade so, als würde Paul sich die Regenwürmer mit den Amseln im Garten teilen müssen. Nein, er hat noch nie eine Maus in seinem Katerleben gesehen und er würde sich angewidert vor so einem kleinen grauen Ding schütteln.
Während ich diese Zeilen schreibe, bin ich mir sehr wohl darüber im Klaren dass Purzel und viele andere kleine Katerchen einen festen Platz unter uns Menschen gefunden haben und erheblich zum Wohlbefinden manchen Frauchens oder Herrchens beitragen. Insofern werde ich mich hüten, deren Gefühle zu verletzen. Eigentlich will ich nur zum Ausdruck bringen, wie der Mensch, gleich aus welchen Gründen, sich außerhalb seiner Rasse Freunde sucht, die treu sind und ihn nie betrügen. Wie er das Tier in seiner Verhaltensweise verändern kann und man heute kaum noch einen Stubentiger sieht, der in Wald und Flur auf Beute geht, um seinen Hunger zu stillen.
Na gut, es muss ja nicht sein, dass so ein süßes kleines Kätzchen mit einer hässlichen Maus spielt. Die Rolle hat nun vollständig der Mäusebussard übernommen. Einer muss ja die Drecksarbeit machen und er tut es schnell und lautlos. So gesehen ist Purzel und seinesgleichen in eine höhere gesellschaftliche Rolle geschlüpft an der wir nichts mehr ändern wollen. Ich hätte auch nichts dagegen, wenn Purzel in den Bundestag einziehen würde, denn jemand sollte den Politikern mal die Zähne zeigen, wenn wir Menschen schon dazu selbst nicht mehr fähig sind.

Siegfried Winkler




Selbstzweifel



Selbstzweifel

Dunkelheit steigt in mir auf,
ein Hassgefühl -
so stark, dass es mich zerstört.
Die Einsamkeit
ist mein Freund.
Ein Loch hat sich tief in mein Herz gebrannt,
kein Schmerz,
nur dunkle Leere.
Wieso, frage ich mich,
wieso bin ich so geworden?
Was ist passiert,
durch die ganzen Sorgen?
Einen anderen Menschen
erblicke ich im Spiegel,
das bin nicht ich.
Wo ist das Lächeln,
das Strahlen,
das Glänzen in meinen Augen?
Was habe ich mir da bloß angetan,
warum nahm ich die Hilfe nicht-
die helfende Hand?
Die Hoffnung ist gestorben,
kein Wunder wird mich mehr retten,
auch kein Lotto, Betrug oder Wetten.
Ich muss mich selber finden,
dann wird die Einsamkeit in mir verschwinden.





Aus der Seele

Bin hier alleine,
rauche meine Zigarette und weine.
Keiner da,
alle weg.
Was mache ich falsch?
Keiner da, um zuzuhören.
Keiner der mich versteht.
Ich weiß nicht wie es weiter geht.
So alleine ohne alle-
so verlassen.
Ich hab das Gefühl,
dass mich alle hassen.
Ein Hauch von Kälte, der mich umgibt.
Ich suche einen Ausweg, den es nicht gibt.
Der Versuch,
alles zu vergessen
ist gescheitert.
Was kann ich nur tun?
So geht es nicht weiter-
was kann ich nur ändern?
Ohne Ziel lebe ich vor mich hin.
Ob es einen interessiert?
Ich weiß es nicht.
Warum nur ich?
Warum kein Anderer?
Wieso, ist meine Frage?
Der letzte Funken ist erloschen,
kein Licht, kein Zucken.
Dunkelheit umgibt mein Herz,
es ist ein tief sitzender Schmerz.
Wie kann man nur so sein -
egoistisch, verdorben und gemein?
Es geht nicht weiter so -
es muss etwas geschehen,
ich brauche ein kleines Wunder,
um weiter meinen Weg zu gehen.

Kassandra


(Es schmerzt mich, das zu lesen, aber wir sprechen weiter)



GESCHENKE DES HIMMELS


 
All die vielen Himmelsgaben…
 
Liebe, Freundschaft und Natur
sind es Himmels Farbenspur,
sind sie doch von ihm gegeben,
bringen Zauber unserm Leben.
 
Vergesse auch nicht die Musik!
Sie ist unser stilles Glück.
Sind der Himmelfreuden vier!
Großer Gott, ich dank dafür...
 
Hätt’ ich Lust auf Malerei,
wär als fünfte sie dabei.
Müssten wir die Gaben zählen,
würden sicher wir uns quälen.
 
Brot und Wein und Lust und Freude,
manche schöne Augenweiden,
wären wohl noch zu erwähnen,
manchmal auch der Fluss der Tränen.
 
Hoffnung auf viel Friedlichkeit.
Dank auch morgen sei bereit.
Tagesfreuden klingen aus,
wünsche, Glück sei jedem Haus.
 
 
© Marianne Reepen
 
im  Oktober 2005
 
 
 

Herbstimpressionen!



Der Tag wird kühler nun und länger schon die Nacht.
Birnen, Äpfel, Pflaumen sind schon eingebracht.
Bedächtig schwillt die Traube, ist bald zur Ernte reif.

All’ grünes Laub, ehe es spröd und steif,
ist herrlich bunt zu sehen,
zeigt letzte Schönheit im Vergehen.

Viel Pracht ist still verblasst. Kaum gibt es leuchtend Glühen.
Doch in den stillen Gärten noch  letzte Rosen blühen.

Die Seele atmet frei, von Herbstes Luft gestillt,
bevor die Landschaft sich in tristes Grau verhüllt.

Zum weiten Flug in Fernen schon bereit,
putzt jeder schmucke Vogel jetzt sein Reisekleid.
Auf schwarzen Drähten sieht man die Paraden.

Betriebsam - von den Ahnen noch berührt
und nach Rezepturen, die dereinst gekürt,
kocht die erfahren-fleiß’ge Frau,
jetzt Riesentöpfe voll mit Marmeladen.

Der Mensch, schaut gern zurück, gedenkt der Tage voller Glück,
erfuhr auch immer wieder seine Tiefen,
wenn neben stillen Freuden, ihn ernste Pflichten riefen.
Hat alle Widerstände / ganz getreu er dann geschafft.
schöpft er aus allen diesen, auch wieder neue Kraft.


© Marianne Reepen