Gemeinsam Schönes entdecken, lesen, schreiben, ohne Häme, ohne Kritik, das ist unser Anliegen. Ich werde in Euren Beitragen nichts ändern oder korrigieren, denn keiner soll sich kontrolliert fühlen. Viel Freude am Schreiben und Lesen FvB

Abendstille



von Marianne Reepen


Herz verlangt nach Abendruh,
sehnt sich nach dem lieben Du.
Kann’s nicht finden, dieses Herz,
bleibt allein mit seinem Schmerz.

Doch Musik, sie kann befreien,
lad’ sie ein zu diesem Rei-en,
bis die Schuhe ausgefranst
und der Traum ist ausgetanzt.

Noch die Sonne nicht will sinken,
will die Erde krustig trinken.
Maienregen wird befrei’n.
Neuer Tag wird unser sein.




Foto Karl Hilber

Schaut wieder mal bei "ramires" rein




http://community.seniorentreff.de/autoren/gedichte/art281,64991

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 http://community.seniorentreff.de/autoren/satire/art284,64935

Würde der Eltern - Würde der Kinder...Eine afrikanische Geschichte…


Es gibt einen Stamm in Afrika, der denjenigen Tag als den Geburtstag eines Kindes ansieht, an dem es zum ersten mal in einem GEDANKEN der Mutter erscheint. An diesem Tag geht die Mutter hinaus, setzt sich unter einen Baum, wartet und hört still in sich hinein, bis sie das Lied ihres Kindes vernimmt. Wenn sie das Lied gehört hat, kehrt sie zurück in ihr Dorf und lehrt es ihren Mann, damit sie das Lied zusammen singen könnnen, wenn sie sich lieben, und so ihr Kind einladen, zu ihnen zu kommen.

Während der Schwangerschaft singt sie das Lied für das Kind in ihrem Bauch und lehrt es auch die Hebammen, die es dann singen, wenn das Kind zur Welt kommt. Jeder im Dorf lernt das Lied, so dass jede und jeder das Kind auf den Arm nehmen und sein Lied singen kann, wenn es weint oder sich verletzt hat. Und das Lied wird im Leben bei allen Übergangsriten und besonderen Anlässen gesungen - zum letzten Mal, wenn der Mensch an der Schwelle zum TODE steht.

Eine wunderschöne Art und Weise, anderen zuzuhören und sie zu trösten .. und es ist wahrer Geist bewusster Elternschaft: das "Lied des Kindes" zu hören und singen zu können.

(aus einem Artikel von Jack Kornfield: Würde der Eltern - Würde der Kinder)


Zur Person Jack Kornfield:

"Jack Kornfield war buddhistischer Mönch in Thailand, Burma und Indien und lehrt seit 1974 in allen Ländern. Er ist auch promovierter Psychologe und Psychotherapeut. Er ist Mitbegründer der "Insight Meditation Society" und des "Spirit Rock Center". Er lebt mit seiner Frau und Tochter in Nord-Kalifornien..
Er zählt zu den anerkanntesten Vermittlern von buddhistischem Gedankengut für den westlichen Alltag"

Bücher von Jack Kornfield in Deutsch

  • Frag den Buddha, und geh den Weg des Herzens
    Econ , Reihe Lotos 74029 Taschenbuch - München
    Aus dem Klappentext:
    Jack Kornfield integriert seine reiche Erfahrung mit dem Buddhismus in das westliche Alltagsleben. Spiritualität, so zeigt er, muß in der persönlichen Erfahrung verankert sein. Nur so kann auch der moderne Mensch eine tiefere Verbindung mit dem eigenen Körper, Geist und Herzen eingehen..."
  • Das Tor des Erwachens
    Kösel Verlag, München ISBN 3-466-34438-7 / www.koesel.de
  • Offen wie der Himmel, weit wie das Meer

Marianne Reepen




AN DEN WALD

Du lieber Wald,
in dem so gern ich weilte.
die Zeit so rastlos eilte.

Schon Jahre sah ich dich nicht mehr,
dort, wo mein helles Lied
ich mit Blätterrauschen teilte.

Im Geist bin ich nun dort.
beweg auf weichen Nadelkissen froh mich fort.
Sie federn meinen Gang.
Ein Wispern ist und ferner Vogelsang.

Der Blick schweift an den Stämmen hoch
bis in hin in höchste Kronen,
wo bunte Vögel wohnen.
Ein Fliegen hoch hinan, es würde lohnen

Durch kleine Blätterlücken,
ist der Himmel zu erblicken.
Die Fantasie sich Wege bahnt
und all das schöne Leben ahnt.

Ich meine fast, die Luft zu atmen,
den frischen Duft zu spüren,
des Vogels Flug zu hören,
der sich erhoben hat,
seh'  flinken Eichhorns muntres Spiel.
Es springt behend’ von Ast zu Blatt.

Bald seh´ ich durch der Stämme Schwarz,
das Grün der alten Wiesen,
wo in der Ferne bunte Tupfer sich bewegen,
die Kinder froh im Spiel sich regen.

Seh’ fern die Gruppe dreier Bäume,
hol sie im Geiste her,
werf’ Grüße durch das Wiesenmeer:
"Lebt wohl, ich mag euch ja so sehr.“

Die Augen schließ’ ich nun
und träum des Frühlings Lied,
möcht' immer ihn verspüren,
dass es mir nie entflieht.

Leb wohl du Wald,
ihr Wälder in der Ferne.
Ich mag euch sehr,
säh’ euch noch einmal gerne!


© Marianne Reepen

Johann Wolfgang von Goethe

Selbstbetrug

Der Vorhang schwebt hin und her
Bei meiner Nachbarin.
Gewiß, sie lauschet überquer,
Ob ich zu Hause bin.

Und ob der eifersücht'ge Groll,
Den ich am Tag gehegt,
Sich, wie er nun auf immer soll,
Im tiefen Herzen legt.

Doch leider hat das schöne Kind
Dergleichen nicht gefühlt.
Ich seh', es ist der Abendwind
Der mit dem Vorhang spielt.

von Johann Wolfgang von Goethe

Ming Tao: Meine Haiku



EINS

Neues Leben wächst
Die Knospe bricht lachend auf
Betäubender Duft

Ming                                                 

Drei

Schneeflocken schweben
zerbrechliche Kristalle
entzücken das Herz

Ming



SECHS

Die Stille um uns
Senkt Freude in die Herzen
Lässt sie gesunden

Ming
                                                               

Andrea Seyfferth



Die Grenzen meiner Belastbarkeit
ich habe sie überreizt
aus meinem Wunsch heraus
nicht mehr allein zu sein
Angst
Kälte
bekannte
immer wieder neu
alte Angst
und ich kann
sie nicht mehr ertränken
verdrängen
wegträumen
wie früher
Ich muss mich ihr stellen.
Meine Träume
haben mich im Stich gelassen
Ich spüre meine Grenzen
Den kalten
scharfen
spitzen
Stacheldraht
der Zäune


Marianne Reepen




Letzter Okoberabend

Leis’ schob sich schon den Vorhang zu,
Dem Dunkel ich entflieh.'
Die Vöglein gingen längst zur Ruh.
Die Nacht kam viel zu früh.

Es ist mir wie im "Niemandsland,"
wo keiner lebt und schreibt,
dort wo man gänzlich unbekannt
und ungesehen bleibt?

Es igelt sich nun mancher ein,
mag den November nicht
und sucht der Kerzen sanften Schein.
Sie geben trautes Licht.

Wie trostvoll kleines Kerzlein brennt,
auf Gräbern - Tag und Nacht,
wo man geweint – allein, - getrennt,
am Ort, wo keiner lacht.

Ade, du schöne Lebenszeit,
da Freude war und Glück!
Nicht kann es ewig Sommer sein.
Was war, kehrt nicht zurück.

Ein Abglanz aller Schönheit nur
er blieb in uns als Trost,
wie eine feine Lebensspur,
als uns das Glück gekost.


© Marianne Reepen


- Lord Byron -

Wenn Nacht begräbt des Staubes Schmerzen,
Wohin wird, ach die Seele fliehn ?
Sie stirbt nicht – aus erloschnem Herzen
Muß sie zu anderen Reichen ziehn.
Wird sie entkörpert dann auf Sternen
Und Schritt um Schritt zum Himmel gehn ?
Wird sie sogleich des Weltalls Fernen,
Ein lebend Aug`, entschleiert sehn ?

Unendlich, ewig, nie verwesend,
Allsehend, aber unsichtbar,
Das Buch der Erd` und Himmel lesend,
Schaut sie im Geist, was ist und war:
Die schwächste Spur aus grauen Jahren;
Die im Gedächtnis dämmern mag,
Das Bild der Dinge, welche waren,
Steht wieder da wie heller Tag.

Zurück ins gärende Gewimmel
Des Chaos taucht sie, und hinauf
Bis zur Geburt der letzten Himmel
Sucht sie der Dinge großen Lauf.
Durch künft`ges Werden und Verderben
Umspannt ihr Blick den Flug der Zeit,
Ob Sonn` erlischt und Welten sterben
Reglos in seiner Ewigkeit.

Hoch über Lieb` und Haß und Trauer
Lebt sie in reiner, tiefer Ruh`;
Äonen fliehn wie Jahresdauer,
Und Erdenjahre wie ein Nu.
Weit, weiter schwebt sie ohne Schwinge,
Ein ew`ger namenloser Geist,
Durchs All und übers All der Dinge,
Und weiß nicht mehr, was Sterben heißt.